Margenkalkulation variabler Einlagen im Nullzins-Umfeld

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Für die Stadtsparkasse Düsseldorf stellen Kundeneinlagen ohne vertraglich fixierte Zinsbindung eine zentrale Refinanzierungsquelle dar. Sie umfassen vor allem die umgangssprachlich als „Tagesgeldkonten“ bezeichneten Geldmarktkonten, die klassischen Spareinlagen, aber auch die Zahlungsverkehrskonten im Privat- und Firmenkundenbereich. Im Zuge von Finanzkrise und Nullzins-Umfeld konnte das Haus erhebliche Zuflüsse gerade im Bereich der Geldmarkt- und Zahlungsverkehrskonten verzeichnen. Dabei erweist sich das bisherige Kalkulationsmodell allerdings nicht entsprechend reagibel: Ohne Ausgleichsmechanismus, der die zu verzeichnenden Volumenzuflüsse auf dem aktuellen (Niedrig-)Zinsniveau berücksichtigt, entstehen nicht-sachgerechte Ergebnisse in der Konditionsbeitragsermittlung und damit der gesamtbankbezogenen Zinsergebnisspaltung. Um hier Fehlsteuerungsimpulse zu vermeiden, hat sich die Stadtsparkasse Düsseldorf daher für eine Erweiterung der hausinternen Steuerungssysteme entschieden. In einem gemeinsamen Projekt mit zeb wurde das Konzept „Dynamisches Replikationsportfolio“ auf Basis eines entsprechenden Moduls aus der zeb.control-Familie umgesetzt.

1. Konsequent: Die Umsetzung

Grundlage für die Abbildung variabler Kundengeschäfte in Kalkulation und Risikomanagement stellt nicht nur im S-Finanzverbund i. d. R. die Methodik der „gleitenden Durchschnitte“ dar. Hierbei erfolgt die für die Margenermittlung erforderliche Approximation von Zinsanpassungsverhalten und Fälligkeitsannahmen anhand einer kalkulatorischen Tranchenbildung. Implizit wird dabei im Grundkonzept Volumenkonstanz unterstellt. Ohne Integration von Effekten aus möglichen Volumenänderungen kann es zu Fehleinschätzungen im Hinblick auf den jeweiligen Produkterfolg kommen: Gerade für im aktuellen Null- bzw. Negativzins-Umfeld zufließendes Neugeschäft erfolgt eine Margenermittlung auf Basis der deutlich oberhalb der für die Bank realisierbaren Geld- und Kapitalmarktsätze.

Für das grundsätzliche Zusammenspiel von Änderungen in Volumen und Zinsniveau gilt: Je stärker Volumensteigerungen mit Zinssenkungen einhergehen, umso niedriger fallen die tatsächlich realisierbaren Geld- und Kapitalmarktopportunitäten gegenüber rein auf Basis gleitender Durchschnitte kalkulierter Werte aus. Im Extremfall kann dabei ein Erfolg ausgewiesen werden, obwohl der eigentliche Beitrag zum Gesamtbankergebnis negativ ist. Um diese Gefahr ausschließen zu können, hat sich die Stadtsparkasse Düsseldorf für die Umsetzung einer zur Methodik in der Zinsbuchsteuerung einheitlichen Margenkalkulation unter Berücksichtigung von Volumenänderungen entschlossen. Die Entscheidung für das Konzept der „Dynamischen Replikation“ fiel dabei auch vor dem Hintergrund, dass danach eine periodische, d. h. GuV-kompatible Ermittlung von Margenauswirkungen bei Volumenänderungen erfolgen kann.

Kalkulationsprozess „Dynamische Replikation“

2. Wirkungsvoll: Die Ergebnisse

Für die entsprechende technische Realisierung ist eine Erweiterung der Steuerungslandschaft erforderlich gewesen. Maßgabe war dabei zunächst, dass diese Lösung in Datenlandschaft und Systemumfeld der Finanz Informatik einbindbar ist. Denn so können im Rahmen von Datengenerierung und Ergebnisverwendung im Haus etablierte Systeme und Prozesse aus dem S-Finanzverbund weiter genutzt werden. Darüber hinaus bestand die Anforderung, auf Standardsoftware zurückzugreifen, die auf Basis eines entsprechend qualitätsgesicherten Prozesses entwickelt wird und eine weitgehend automatisierte Datenanbindung ermöglicht. 

Mit dem entsprechenden zeb.control-Modul konnten diese Voraussetzungen vollumfänglich erfüllt werden. Während der insgesamt etwa zweieinhalb Monate andauernden Projektarbeit erfolgte dabei zunächst die Einrichtung von Software, Schnittstelle und Prozesssteuerung in der Infrastruktur von Sparkasse und Finanz Informatik. Anschließend wurden erforderliche Volumen- und Zinsstrukturkurvenhistorien aufgebaut und der Generierungsprozess für die monatliche Aktualisierung von relevanten Produktdaten und Zinskurven ausgestaltet. Im Zuge der fachlichen Begleitung erfolgten Grundlagenschulungen im Handling, die Ausgestaltung der Produktzuschnitte entsprechend der hausindividuellen Anforderungen und Voraussetzungen sowie die für die regelmäßige Kalkulation erforderlichen, zur Zinsbuchsteuerung einheitlichen Parametrisierungen. Abschließend wurden die Berechnungsergebnisse gemeinsam validiert und bewertet sowie die Verantwortlichkeiten und Prozessschritte im Rahmen der Einbindung in den Steuerungsprozess abgestimmt und dokumentiert. 

Basierend auf den Vertragsbestandteilen, Volumenentwicklungen und Marktdaten aus dem OSPlus-Datenhaushalt ermittelt das zeb.control-Modul in den regelmäßigen monatlichen Kalkulationsläufen die de facto für die Stadtsparkasse Düsseldorf disponierbaren Geld- und Kapitalmarktopportunitäten der variablen Kundengeschäfte (vgl. Abb. 1). Diese Ergebnisse werden anschließend in den Datenhaushalt der Sparkasse zurückgegeben. So kann die Ermittlung produktbezogener Margen mit dem darauf aufbauenden Vertriebscontrolling mittels etablierter Unterstützung aus dem S-Finanzverbund erfolgen.

3. Zukunftssicher: Ausblick und Fazit

Mit Projektabschluss konnten für die Stadtsparkasse Düsseldorf zentrale Zielsetzungen erreicht werden: Mit der sowohl technischen als auch fachlichen Einführung steht eine Standardsoftware zur Verfügung, die in die Infrastruktur des Rechenzentrums eingebunden ist. Auf dieser Grundlage gelingt nun eine Erfolgsbewertung wesentlicher Einlagenprodukte vor dem Hintergrund der durch das Treasury-Management der Stadtsparkasse tatsächlich realisierbaren Geld- und Kapitalmarktsätze. Dies bildet gerade in der aktuellen Zinslandschaft eine wesentliche Voraussetzung, die Anreize im Vertrieb sachgerecht zu setzen und so ein Einwerben von Einlagen auf Basis ungerechtfertigter Kundenkonditionen zu vermeiden. Dabei bietet die Kompatibilität der Kalkulationsergebnisse zur periodisch orientierten Margensteuerung erhebliche Vorteile in der Kommunikation.

Zunächst werden die Ergebnisse des „Dynamischen Replikationsportfolios“ vor allem im Rahmen von Nachkalkulation, Vertriebssteuerung und Gesamtbankplanung genutzt. Eine mögliche Weiterentwicklung sind konzeptionelle Ausgestaltungen, wie die Simulationsmöglichkeiten auch Eingang in den Pricing-Prozess und die Konditionierung finden können.

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Wilhelm Menninghaus

Dr. Wilhelm Menninghaus

Managing Partner

Christoph Balke

Christoph Balke

Senior Manager